| Seite 1 | Seite 2 |
Mit Währungs-, Maß-, Gewichts- und anderen Einheiten war es im Mittelalter alles andere als ganz so einfach und übersichtlich, so dass die Rechenmeister der damaligen Zeit hier ein weites Betätigungsfeld vorfanden. Auf dem vorliegenden Beitrag sind die im Jahre 1504 gängigen Einheiten zusammengestellt und in dessen Folge werden weitere Details erklärt und erläutert.
1. Gewichts- und Geldmaße
1.1. Geschichtliche Entwicklung
Zum besseren Verständnis stelle ich zunächst die geschichtliche Entwicklung bis zum 14. Jahrhundert dar. Dabei zitiere ich wiederholt wörtlich aus Tropfkes Standardwerk (S. 91f):
Die Gewichtsmaße spielen im täglichen Leben als Mengen- und Wertmesser eine besonders wichtige Rolle in dreierlei Hinsicht: einmal war ein großes Gewicht nötig für schwere Lasten, dann ein mittleres für Waren des täglichen Bedarfs (z.B. Lebensmittel) und ein kleineres für feinere und wertvollere Dinge wie Gewürze oder auch Edelmetallstücke, die bei Preisen und Löhnen als Geldersatz dienen konnten.
Als ein neues Gewicht, besonders als Münzgewicht verwendet, erscheint die aus den skandinavischen Ländern stammende Mark (erstmals 857 in einer Urkunde gefunden). Ihr Gewicht war die 1/2 des Handelspfundes. Die Kölner Mark, die für den Handel in Europa
maßgebend wurde, hatte ein Gewicht von ca. 237,5g. Sie war eingeteilt in 8 Unzen. Die Mark
hatte also 16, das Pfund 32 Lot.
Neben dem Gewichtssystem hat Karl der Große auch das Münzsystem neu geordnet. Er ging von der Gold- zur Silberwährung über. Damit endete im 7. und 8. Jahrhundert die Goldprägung Mitteleuropas. In der Folge gab es nur eine Münzsorte, den Silberpfennig (denarius) und manchmal seine Teilwerte. Die vom 8. bis 14. Jahrhundert währende Epoche nennt man daher "Pfennigzeit". Es wurden aus 1 Pfund Feinsilber 240 Silberpfennige geschlagen, von denen 20 auf einen Solidus (Schilling, franz. sou) gingen. In Süddeutschland wurde 1 Pfund zu 8 langen Schillingen zu je 30 Pfennigen gerechnet.
Als der im 13. Jahrhundert zunehmende Großhandel mit dem Ausland (bei Stoffen, Gewürzen, Metallen) ein größeres Zahlgeld verlangte, tritt wieder das Goldgeld auf, zuerst bei Kaiser Friedrich II. In Florenz wurde 1252 der Gulden (florenus = fl) geprägt, in Venedig 1284 der Dukaten, in Deutschland im Jahr 1356 unter Karl IV der Gulden = 240 Heller (Pfennige).
Der Gulden wurde bis 1532 mit gleichem Münzbildnis und gleichem Feingehalt geprägt, das Bildnis des wertgleichen Dukaten blieb bis 1797 unverändert. Eine Ausprägung erfolgte im 14. Jahrhundert von vielen Münzherren auch nördlich der Alpen, u.a. von den vier in einem Münzverein zusammengeschlossenen Kurfürsten von Mainz, Köln, Trier und Pfalz. Dabei wurden 66 rheinische Goldgulden auf das Gewicht einer Kölner Mark Gold gerechnet. Dieser rheinische Gulden setzte sich im Reich als einigermaßen stabiles Handelsgeld durch (Anmerkung: der Gulden erfuhr eine Wertminderung von 3,35g Feingold im Jahr 1386 auf 2,5 g im Jahr 1490), mit dem die Pfennige der verschiedenen Landeswährungen in Beziehung gebracht wurden. Auch Schilling und Heller in Gold wurden beim Großhandel zur
Vermeidung der Entwertung rechnungsmäßig notiert; sie wurden aber nicht als Münzen geprägt. Für sie galt die Relation 1 fl = 20 ß = 240 Heller im Grunde.
Ebenfalls weit verbreitet waren der ungarische Gulden (Dukaten), der von gleichem Wert wie der Florentiner Gulden war, und der dem rheinischen Gulden wertgleiche Apfelgulden, auf dem der Reichsapfel abgebildet war. Der Kurs zwischen rheinischen und ungarischen Gulden schwankte laufend. Einzelne Rechenaufgaben in verschiedenen Rechenbüchern (Algorismus Ratisbonensis, Bamberger Rechenbücher, Johannes Widmann, Adam Ries u.a.) geben unterschiedliche Verhältnisse an. Beispielsweise entsprechen im zweiten Rechenbuch von Adam Ries 100 ungarischen Gulden bei den einzelnen Rechenaufgaben 124, 129, 1291/2, 1311/4, 1321/3, 1321/2, 1331/3, 134, 135, 1361/4, 1387/10, 1388/9 und 1417/20 rheinische Gulden.
Wie Nürnberger Pfennige in Wiener Pfennige umgerechnet werden, sieht man bei einer Aufgabe in Widmanns Rechenbuch von 1489:
"7 wiener gelten 9 lintzer, vnd 8 lintzer gelten 11 bassawer, vnd 12 bassawer gelten 13 vilßhofer, vnd 15 vilßhofer gelten 10 regenspurger, vnd 8 regenspurger gelten 18 neumercker, vnd 5 neumercker gelten 4 nuernberger."
Die Abrechnung erfolgt nach Einschaltung der Linzer, Passauer, Vilshofener, Regensburger und Neumarkter Pfennige. (Anmerkung: Danach entsprechen 560 Wiener Pfennigen 1287 Nürnberger Pfennige).
Der Kleinhandel wurde dagegen in "Münz" durchgeführt, und hier war die Grundeinheit der
Pfennig (denarius), der nach Zeit und Ort gegenüber dem Gulden großen Schwankungen
unterworfen war. In Nürnberg wurden für den Gulden bezahlt:
150 Pfennig im Jahr 1441, 174 Pfennig im Jahr 1457, 220 Pfennig im Jahr 1463, 240 Pfennig
im Jahr 1471 und 252 Pfennig im Jahr 1484. (siehe K. Vogel)
Zahlgeld für den Kleinhandel blieben immer die Landesmünzen Pfennige, Heller und die vielen
anderen, die im Laufe der Zeit noch dazukamen wie der böhmische Silbergroschen (der
Dickpfennig zu 7 oder 8 Pfennig), der Albus oder Weißpfennig, der Taler zu 24 Groschen á 12
Heller, der Kreuzer entsprach 1/60 Taler.
Die größte Bedeutung hatte der Groschen (lat. grossus = dick, denarius grossus = dicker Pfennig). Üblicherweise bedeutete er 12 Pfennig, es gab aber auch Groschen zu 7, 8, 9, 10 und 15 Pfennig. Bis in die 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts war ein Groschen 1/21 des Goldguldens, nach 1570 1/24 des Talers.
Einige weitere Namen sollen kurz erläutert werden (siehe K. Menninger II, S. 170f):
Der Heller hat seinen Namen von der Stadt Schwäbisch Hall, wo er erstmalig unter Friedrich Barbarossa in der dortigen Reichsmünze geprägt wurde. Urkundlich treten die Heller zuerst 1200 und 1208 auf (siehe Schrötter). Im 14. und 15. Jahrhundert wurde der Silberfeingehalt der Münze so weit verringert, dass der Heller nur noch einen halben Pfennig repräsentierte.
Der Kreuzer wurde zuerst in Südtirol im Jahr 1271 geschlagen. Bei ihm ist ein Kreuz aufgeprägt. Ab 1458 wurde der Kreuzer von Österreich geprägt. 1 Kreuzer entsprach 4 Pfennig und 60 Kreuzer einem Gulden. Die Kreuzerwährung drang weiter nach Süddeutschland vor. In Erfurt gab es seit 1480 als geringste Münze den Scherf. Die silberne Scheidemünze Batzen war angeblich am Ende des 15. Jahrhunderts zuerst in Bern mit dem Bild des Bären ("Bätz") geschlagen und wird seit 1498 zuerst in Deutschland erwähnt. 1 Batzen entsprach 4 Kreuzer und war 1/15 Gulden. Die erste Talermünze überhaupt wurde 1486 in Hall in Tirol geprägt. Aus dem Silber von Joachimstal im Erzgebirge wurde 1519 der erste Joachimstaler Guldengroschen
geschlagen, der abgekürzt als Taler in viele Länder Europas gewandert ist (Dollar in USA).
Ursprünglich war der Taler in Süddeutschland das Silberäquivalent des Goldguldens im Wert von 21 Groschen bzw. 60 Kreuzer. Dieser Wert variierte in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts. In der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts waren die verbreiteten Münzwährungen in Norddeutschland der Taler und Groschen oder Albus und in Süddeutschland der (silberne) Gulden und Kreuzer, wobei einem Gulden zunächst 60 Kreuzer, später 72 Kreuzer und dann wieder 60 Kreuzer entsprachen. "Durch die Reichsmünzordnung von 1559 war der silberne Reichsguldiner zu 60 Kreuzern geschaffen worden, womit sich Deutschland in die Taler- und Guldenländer schied (Schrötter)".
1.2. Beispiele
Einige Kostproben von regionalen Münzen aus einem Ries-Rechenbuch von 1574:
Franckfurter Muentz.
1 Albus oder Weißpfennig hat 8 d. Item 1 Gulden hat 27 Albus. Item 1 Schilling hat 9 d. Item 1 Gulden hat 24 ß. Item 1 Gulden hat 216 d.
Muentz zu Nuerenberg / auch in Francken / Dueringen / vnd Meissen.
1 Gulden hat 252d. Item 30 Pfennig ist 1 Pfund (lb). Item 1 Gulden hat zu Nuerenberg vnd Francken 8 lb 12 d. 1 Groschen hat 12 Pfennig, 1 Gulden hat 21 Groschen. Item 15 Batzen ist 1 Gulden.
1 Batz hat 4 Kreutzer. Item 60 Kreutzer thun ein Gulden".
Ein Kreuzer galt zu Frankfurt 3 Pfennig, zu Nürnberg 41/5 Pfennig, in Österreich 4 Pfennig und in Schwaben 31/2 Pfennig.