Stangenwaffen

Unter Stangenwaffen verstand man geschäftete Blankwaffen, die mehr als mannshoch waren. Da das Soldkriegertum im größeren Umfang eine gemeinsame taktische Verwendung des Fußvolkes verlangte, wurde auch dessen Bewaffnung einheitlicher. Beim Fußvolk erreichte der Langspieß oder auch "knechtischer Spieß" genannt, um 1500 schon eine Länge von bis zu 5 m. Der Schaft dieser Spieße war zumeist aus Eschenholz gefertigt und führte ein Spießeisen mit bis zu 550 mm langen Federn. Die Blätter solcher Spießeisen konnte je nach Herstellungsort und -datum verschiedene Formen aufweisen. Man unterschied zwischen dolch-, blatt- und rautenförmigen Blättern.

Zur wichtigsten Stangenwaffe für Hieb und Stoß entwickelte sich die Helmbarte, später Hellebarde genannt. Mit einem kräftigen Schlag dieser Waffe konnte man auch einen Plattenharnisch zerschmettern. An der Barte, dem Beil, wurde zunächst die obere Spitze zu einer Stoßklinge verlängert und dann am Rücken ein Schlag- oder Reißhacken angebracht. Die Tülle saß in der Mitte und die Federn seitlich an ihr. Als in der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts durch die veränderte Taktik der Schlag nicht mehr so erforderlich war, verkümmerte die Beilklinge mehr und mehr. So blieb sie schließlich als reine Trabantenwaffe oder als Dienstwaffe der Unterführer. Besondere Waffen waren die Gläfe (Glefe) und die Couse. Beide besaßen lange, messerförmige Klingen mit Tülle und Schaftfedern und am Klingenrücken einen Parierhaken. Die Couse war mehr für den Hieb gedacht. Beide Waffen fanden als Trabantenwaffen Verwendung.

Formentwicklung der Helmbarte und des Langspießes.
Helmbarte: 1480-1450, 1500-1520, um 1560, um 1660 als Trabantenwaffe.

Helmbarte(Hellebarde)

1.Stoßspitze
2.Beilblatt
3.Reißhaken
4.Tülle
5.Quaste
6.Schaft

von Jürgen Ludwig