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Die Verzierungen können auf verschiedene Weisen hergestellt werden. Ich habe hier einmal verschiedene Methoden für zwei verschiedene Verzierungen näher dargestellt:
Hat man als Deckstoff einen recht dicken Wollstoff genommen, so ist die Sache einfach: Schlitz reinschneiden und fertig. Würde man das genauso bei einem normalen Baumwollstoff machen, so hätte man binnen kürzester Zeit eine Fransenhose und würde eine Spur von bunten Fäden hinter sich her ziehen. Da ich aber keine Lust hatte, die Schlitze einzeln zu säumen, habe ich zu einer Methode gegriffen, die ich der Einfachheit halber "Großes Knopfloch" nennen möchte.
| Foto 1: Umnähen der Schlitze |
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Foto 2: Aufgeschnittener Schlitz |
Die Schlitze werden dafür zunächst mit Schneiderkreide auf die Innenseite des Stoffes aufgezeichnet. Dann werden diese Striche mit mittlerer Stichweite und sehr kurzer Stichlänge (wie genau man Knopflöcher näht, lest am besten in der Gebrauchsanweisung Eurer Nähmaschine nach) eingefaßt (siehe Foto 1). Oben und unten wird die Einfassung jeweils mit doppelter Stichweite "verriegelt". Hierdurch entsteht ein schmaler Rahmen aus enger Naht um den Strich. Ist das bei allen Schlitzen gemacht, wird das Innere der Rahmen ausgeschnitten und der Schlitz ist fertig (siehe Foto 2).
Foto 3: Rüschen
Eine Art, um zu Rüschenbändern zu kommen, ist es, Schlitze zu Schlingen zusammen zu schieben und festzunähen (siehe Grafik 3 und Foto 3). Noch einfacher ist es, die Rüschen separat aufzunähen. Dazu näht man entweder eine Wurst, die die Breite des gewünschten Rüschenbandes und dessen dreifache Länge hat oder man nimmt ein entsprechend langes Zierband.
Grafik 5
Diese Wurst wird jetzt verstürzt, an beiden Enden zugenäht und der Länge nach auf dem Bein aufgenäht, wobei in gleichmäßigen Abständen Schlaufen (darum braucht man auch die dreifache Länge) gelegt werden (siehe Grafik 5).
So, sind die Verzierungen angebracht bzw. eingeschnitten, wird der Deckstoff auf den Futterstoff genäht (rechts auf rechts, dabei die Rüschen gleich mit annähen), die Beine jeweils links auf links zusammen- und dann beide Beine (ebenfalls links auf links) aneinandergenäht. Danach kann das Ganze verstürzt und die Gummibänder an Bund und Beinen eingenäht sowie die Bundkordel eingesetzt werden (da das alles genauso geht wie bei der normalen Hose, wird hier nurmehr auf diese Anleitung verwiesen).
So, die Hose ist nun soweit fertig. Aber für eine richtige Landsknechtshose fehlt natürlich noch das wichtigste, nämlich der ...
Die Landsknechtshosen des 16. Jhdts. hatten allesamt recht deutlich ausgearbeitete Schamlätze, wobei die Deutlichkeit mit dem Fortgang des Jahrhunderts immer mehr zunahm, bis es -ulkigerweise in der ansonsten so prüden spanischen Hofmode- nur noch ordinär zu nennende Formen annahm.
Hier wollen wir uns als Beispiel nur den vergleichsweise abstrakten Schamlatz des ersten Viertels des 16. Jhdts. vornehmen.
Der Schnitt für den Schamlatz besteht zum einen aus einem rechtwinkligen Dreieck (nun ja, eigentlich ein Viereck, da eine Spitze abgeschnitten wird) und zum andern aus solch einem Dreieck mit einem Knubbel auf der längeren der beiden Katheten (siehe Grafik 6). Das Dreieck bildet die Unter-, das Dreieck mit Knubbel die Oberseite des Schamlatzes. Beide Teile brauchen wir zwei mal. Dabei kann der Schamlatz entweder in uni oder zweifarbig ausgeführt werden (bietet sich an, wenn die Hose unterschiedlich farbige Hosenbeine hat). In letzterem Fall wird jeweils für ein Ober- und Unterteil die eine, für das andere die andere Farbe genommen.
Grafik 6: Schamlatzschnitt
Die Schnitte werden nun auf den entsprechenden Stoff übertragen und mit Saumzugabe ausgeschnitten. Danach werden die beiden jeweils gleichen Teile entlang der längeren Kathete bzw. rund um den Knubbel links auf links zusammengenäht (bei einem zweifarbigen Schamlatz darauf achten, daß auf Unter- und Oberseite die gleichen Farben auf der gleichen Seite liegen). Die so entstandenen Dreiecke (eines mit einem Sack in der Mitte) werden jetzt wieder links auf links aufeinandergenäht. Die Oberseite (ggü. der schmalen, abgeschnittenen Spitze) bleibt allerdings offen.

Foto 4: Schamlatz
Nun wird das Ganze verstürzt, so daß man ein Dreieck mit einem ziemlich schlaffen Sack in der Mitte vor sich hat. Dieser Sack wird jetzt mit Watte oder Stoffresten gefüllt und in Form geknetet. Ist der Knubbel ansprechend geformt , wird das Dreieck unterhalb des Knubbels (da wo dieser sich aus dem Dreieck erhebt) abgesteppt, damit er formstabil bleibt. Schließlich wird das Dreieck oben zugenäht. Fertig ist der Schamlatz (Foto 4). Nun muß das Ganze nur noch auf der Hose angebracht werden. Dazu zieht man die Hose erst einmal an und steckt den Schamlatz dort fest, wo man meint, daß er hingehört (wer nicht selber weiß, wo das ist, wird zwar nie ein richtiger Landsknecht, kann sich aber trotzdem auf Foto 5 entsprechende Anregung holen. Harr Harr). Dann die Hose ausziehen und den Schamlatz annähen. Da er im Original angenestelt war, können jetzt noch Nesteln angebracht werden (einfach eine Ringniete einsetzen und zwei Lederbänder durchziehen, die auf der Außenseite verknotet werden).

Foto 5: Positionierung des Schamlatzes
Zur Verfügung gestellt von Dirk Rabenschlag von markoschenheim.de