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Einfache Kniebundhosen

Die Renaissance war (zumindest in Deutschland) das Zeitalter der Kniebundhose. Während diese am Anfang des Jahrhunderts noch ziemlich eng war, wurde sie in der Folge immer weiter (in der spanischen Hofmode, die Mitte des 16. Jhdts. bei Fürstens im ganzen Deutschen Reich "In" war, rutschte der Bund noch dazu auf die Mitte des Oberschenkels und bildete damit die Pumphose oder spanische Heerpauke. Da die aber nur mit einem entsprechend eng geschnittenen Doublet, bei dem auch die Herren um das Tragen eines Korsetts nicht herumkommen, manierlich aussieht, beschäftigen wir uns hier nur mit der normalen, weiten Kniebundhose).

1. Materialien

2. Der Schnitt

Zunächst müssen wir uns Gedanken machen, wie wir an ein passendes Schnittmuster kommen. Diejenigen unter Euch, die sowas können, mögen sich hinsetzen und einen solchen flugs zu Papier bringen. Eine andere Möglichkeit besteht darin, sich ein entsprechendes Schnittmuster in den Staaten bei diversen Verlagen für historische Schnittmuster für teuer Geld zu bestellen (glaubt nicht, daß Ihr sowas in deutschen Stoffmärkten oder Kaufhäusern findet. Die haben nämlich nur Burda-Normalo-Schnittmuster. Ganz eventuell kann man kurz vor Karneval mal fündig werden, wenn die Karnevalskostüm-Schnittmuster in den Regalen liegen. Doch selbst da ist ein vernünftiges Schnittmuster für eine Kniebundhose kaum zu bekommen).

Es geht jedoch auch viel einfacher:

  Abb. 1

Nehmt einfach eine alte, abgetragene Jogginghose, die gut paßt und trennt die Nähte auf (bzw. schneidet sie einfach an den Nähten entlang auf). Danach schneidet man die Bündchen ab, da diese die Teile wegen des eingelassenen Gummis sonst immer zusammenziehen würden (man muß aber unbedingt daran denken, die Bündchen beim Übertragen auf den Stoff wieder zuzugeben). Man sollte nun vier Teile vor sich haben, die in etwa so aussehen, wie auf Abb. 1.

Zwei dieser Teile (d.h. ein komplettes Bein) können wir jetzt zur weiteren Verwendung als Putzlappen an die Seite legen, da wir für den Übertrag auf den Stoff nur die andern beiden brauchen.

3. Ausschneiden und Vernähen

Der Stoff wird jetzt doppelt genommen und die beiden "Schnittmuster" aufgesteckt und mit Schneiderkreide angezeichnet, dabei wird an der Strecke D und D1 (bzw. F und F1; wie Ihr wollt) eine Zugabe von jeweils 5 cm auf der gesamten Strecke gegeben. Die Hose wird dadurch weiter und wir wollen ja schließlich eine recht pluderige Hose. An dieser Stelle vergeßt nicht den Bund oben zuzugeben, den Ihr von der Hose abgeschnitten habt. Außerdem sollte reichlich Saumzugabe gelassen werden, abschneiden kann man den immer noch. Die Teile werden jetzt mit einer guten Schneiderschere (kostet 20-30 DM, die sich aber wirklich lohnen, da das Schneiden von Stoffen mit einer anderen Schere Krampf ist. Untersteht Euch aber mit der guten Schneiderschere jemals etwas anderes als Stoff und Fäden zu schneiden, da sie sonst im Nullkommanix stumpf wird) ausgeschnitten, die Stecknadeln aber noch nicht gelöst. Dann werden die beiden aufeinander gesteckten Teile erstmal an den Strecken A bzw. C vernäht (also quasi A mit A1 und C mit C1). Erst jetzt werden die Nadeln gelöst.

Im nächsten Schritt wird mit Stecknadeln die Strecke B auf B1 und E auf E1 geheftet und vernäht (achtet dabei darauf, daß der Punkt, an dem sich B/B1, E/E1, A/A1 und C/C1 treffen (also der Hosenboden) schön dicht vernäht wird. Andernfalls kommt zwar Luft an den Pöter aber die Stelle wird immer stark rißgefährdet sein.

Jetzt werden mit Stecknadeln auch die Strecken D auf D1 und F auf F1 geheftet aber noch nicht vernäht. Zunächst wird der Saum des Hosenbundes umgefaltet und festgesteckt. Unter dem Saum zieht Ihr eine Kordel durch, damit Ihr die Hose raffen könnt. Dann zieht Ihr die Hose zum ersten Mal an.

Ihr werdet jetzt feststellen, daß die Hose für eine Kniebundhose zu lang ist. Dem wollen wir abhelfen. Stellt ein Bein auf einen Stuhl, so daß das Knie ordentlich gebeugt ist. Nun rafft Ihr das Hosenbein so unterhalb des Knies zusammen, daß die Hose noch ein ganz kleines bißchen fällt. Dies ist die richtige Länge. Zeichnet diese mit Schneiderkreide an. Nun wieder raus aus der Hose und die Länge der Hose an der Markierung rundrum abgesteckt (x auf Abb. 2) und mit ca 3 cm Saumzugabe abgeschnitten.

Wer nur eine einfache Hose haben will, kann jetzt einfach D/D1 und F/F1 zusammennähen, sämtliche Nähte versäubern und dann direkt mit dem Einziehen der Gummibänder weitermachen.

Wer jedoch was Schickeres haben will, der führt die Hose geschlitzt aus. Dazu wird auf der Strecke D/D1 und F/F1 eine Stelle ca. 5-10 cm über dem Beinabschluß markiert (Abb. 2: bb), eine weitere Markierung kommt ans obere Ende etwa auf Höhe Eures Hinterns (Abb. 2: aa). Die Strecke D/D1 und F/F1 werden jetzt von unten bis bb und von oben bis aa vernäht aber noch nicht versäubert. Der Teil dazwischen bleibt offen. Diese Öffnung bildet den Schlitz.

 Abb. 2

4. Füttern des Schlitzes (optional)

Jetzt wird der Schlitz gefüttert. Wer die Hose ungeschlitzt näht, der mag gleich bei 5. weiterlesen.

 Foto 1

Zunächst schneidet man aus dem Futterstoff ein Rechteck aus, was ca. 30 cm breit und ca. 10 cm länger als der Schlitz ist. Dieses Futterstück wird jetzt rundum etwa 1 cm breit umsäumt.

Nun wird es etwas frickelig: Der so entstandene Lappen wird von hinten gegen den Saum des Schlitzes gelegt und dieser über den Lappen umgenäht (siehe Foto 1). Der Lappen sollte dabei oben und unten ca. 5 cm über den Schlitz hinausragen. Dieser Überstand wird nicht in den Saum eingenäht sondern eingerollt und abgenäht (siehe Foto 2).

 Foto 2

Nun befindet sich hinter dem Schlitz eine breite Tasche, die, wenn man die Hose trägt fluffig aus dem Schlitz gezupft werden kann. Jetzt noch alle Nähte versäubern, schon kann man zum letzten Schritt übergehen.

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Zur Verfügung gestellt von Dirk Rabenschlag von markoschenheim.de