Urs Graf

Urs Graf wurde um 1485 in Solothurn als Sohn eines Goldschmieds geboren, seine Ausbildung führte ihn in die oberrheinischen Zentren Strassburg und Basel sowie nach Zürich. Er entwarf zunächst Holzschnitte für die Ringmannsche Passion (1503) und für Petermann Etterlins Eidgenössische Chronik (1507), daneben betrieb er das Handwerk des Goldschmieds und stellte erste Scheibenrisse her. Um 1509 liess sich Graf in Basel nieder und belieferte fortan die dort ansässigen Drucker mit Buchholzschnitten, daneben war er als Glasmaler, Goldschmied und als Graveur für die städtische Münze tätig. 1511 heiratete er eine Gerberstochter, im darauffolgenden Jahr erwarb er das Bürgerrecht von Basel.
Kriegszüge führten den Künstler immer wieder ins weit entfernte Ausland. 1510, noch im Kontingent seiner Vaterstadt Solothurn, zog er nach Como, 1512, nunmehr als Waffenpflichtiger von Basel, nahm er an militärischen Expeditionen nach Mailand und nach Dijon (1513) teil und 1515 focht er in der für die Eidgenossen vernichtenden Schlacht von Marignano. Abermals in der Lombardei hielt sich Graf 1521 auf, damals jedoch als Reisläufer in fremden Diensten, was ihm nach seiner Rückkehr erhebliche juristische Probleme einbringen sollte.
Auch sonst musste sich die Basler Justiz immer wieder mit Graf befassen. Zechprellerei, Körperverletzung, unsittliches Verhalten und Ehebruch sind nur einige der Anklagepunkte, die immer wieder gegen den temperamentvollen Künstler erhoben wurden und ihn auch schon mal in den Kerker bringen konnten oder ihn zwangen, Basel vorübergehend zu verlassen. Das genaue Todesdatum Grafs läßt sich nicht mehr ermitteln, er wird aber wohl um 1528 gestorben sein.
 
Tod mit Dirne, Landsknecht und Eidgenosse (1524) Grafs Zeichnungen sind unter anderem das Eindruckvollste, was uns die Kunst des 16. Jahrhunderts überliefert hat. Seine Reisläufer, das schweizer Gegenstück zum deutschen Landsknecht, bringt er mit spitzer Feder und grossem Sinn für Stofflichkeit auf Papier. Es sind nicht anonyme Helden in grossartigen Rüstungen sondern Männer aus dem gemeinen Volk die er zeichnet. Menschen also, mit denen er täglich verkehrte und denen er sich sehr verbunden fühlte, so sehr das er sogar den Schweizerdolch in sein Monogramm einbrachte. Das Leben dieses Standes schildert der Künstler in all seiner Bandbreite, nie verharmlosend und manchmal mit einem bissigen Spruch. «Al mein Gelt verspilt» steht auf der Klinge eines Bihänders, den ein Landsknecht geschultert hat (1519).
In anderen Blättern zeigt uns Graf, wie die Soldaten umworben werden, von fremden Kriegsherren wie von Dirnen. Die Fratze des Krieges ist dem Zeichner ebenfalls nicht unbekannt. Davon zeugt sein Schlachtfeld (1521), das uns den Untergang der Schweizer bei Marignano in all seinem Schrecken vor Augen führt: Verstümmelte und gefledderte Leichen, Erhängte und ein Pferdekadaver während dahinter die Schlacht immer noch in vollem Gange ist.
Ein ausgeprägter Sinn für das Erzählerische und Details sowie atmosphärische Verdichtung sind eines der Markenzeichen von Urs Graf.

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