Diesen Artikel hat uns Joachim Walther noch vor seinem, für uns plötzlichen, Tod zur Verfügung gestellt. Leider kommen wir erst jetzt dazu diesen Online zu stellen.

Kleine Schmiedeesse selber bauen

Nach einigen Experimenten ist es mir gelungen eine kleine Schmiedeesse zu bauen, die für Kleinteile wie Messer, Nägel oder Pfeilspitzen bestens geeignet ist.
 

Die Materialkosten belaufen sich im geringsten Fall auf unter 5,00 €. Das setzt voraus, das verschiedene Gegenstände schon zu Verfügung stehen. Als Voraussetzung wird ein größerer Blasebalg für Luftmatratzen, Sportboote oder ähnliches angesehen.
Fast noch besser geeignet ist ein alter Haarfön bei dem die Heizspiralen, da unnötig, abgeklemmt werden.
Gebraucht werden auch einige alte Bretter, da sie zwar nicht zwingend nötig sind, aber dem Ganzen eine höhere Stabilität verleihen.
Aus den Bretter werden mit einigen Spaxschrauben oder wer es einfach haben will, mit Nägel eine rohe Kiste zusammen geschustert. Wichtig die Innenmaße sollen mindestens 30,2 mal 25,2 cm groß sein. Die Innenhöhe zwischen 20 und 22 cm betragen. Auf keinem Fall kleiner arbeiten, weil dann unsere Formsteine nicht mehr hineinpassen.
Als Formsteine und gleichzeitig Innenauskleidung holen wir von einem Baumarkt einen Gasbetonstein mit den Maßen 60 mal 25 mal 11 cm,auch als Ytong bekannt. Der Stein wird genau Mittig, also 2 mal 30 cm lang mit einer Säge geteilt. Nehmt dazu einen alten Fuchsschwanz oder eine ähnlich, schon etwas ältere Säge, da der Beton zwar leicht zu sägen geht, aber das Werkzeug schnell verschleißt.
Auf eine Hälfte zeichnet Ihr mit einem Bleistift, möglichst mittig einen Kreis mit ca. 14 cm Durchmesser (Untertasse, Dosendeckel etc.) Wer viel Zeit, hat stemmt mit einem Meißel, Stemmeisen oder nur einen Schraubenzieher nun ein Loch zu so groß wie der Kreis durch den Stein. Wer`s schneller mag kann auch eine Handbohrmaschine verwenden. Er bohrt innerhalb des Kreises Loch an Loch, so dass er das Innere als Zapfen herausbrechen kann. Dazu gehört etwas Fingerspitzengefühl und wenn es in der Wohnung passiert, einen toleranten Partner.
Der fertige Stein sieht aus wie eine Ring, außen rechteckig. In die andere Steinhälfte wird eine Bohrung ca. 20 bis 30 mm im Durchmesser ca. 5 cm tief hineingebohrt. Auf keinem Fall durch. Wer keinen so großen Bohrer hat kann das Loch vorsichtig mit einem kleineren Bohrer mit kreisförmigen Bewegungen erweitern. Werden beide Steine aufeinandergelegt, sollte die kleine Bohrung im unteren Stein ca. mittig der Großen Bohrung im oberen Stein liegen. Die kleine Bohrung wird unsere Luftzufuhr. Deshalb müssen wir die Bohrung von der Seite mit einer Querbohrung verbinden, an welcher wir dann den Blasebalg, oder Gebläse anschließen. Klar dürfte sein, dass auch das Brett der Außenkiste dort einen Zugang haben sollte. Beide Steine werden nun in die Kiste gelegt.
Nachdem wir das Gebläse angeschlossen haben, in manchen Fällen reicht zum Einpassen der Düse etwas Bastelknet für Kinder oder ein Streifen Klebeband, kann es eigentlich schon losgehen.
Als Brennstoff habe ich hauptsächlich Holzkohle verwendet, diese stinkt und qualmt nicht so wie Schmiedekohle, liefert aber nicht so viel Hitze. Damit die kleineren Holzkohlestückchen nicht wie aus einem Vulkan herausfliegen, habe ich sie mit einigen Koksstückchen abgedeckt. Da auch Diese verbrennen, muss nach ca. 3 bis 5 Füllungen Holzkohle eine Koksschicht folgen.
Der Verbrauch lag bei ca. 4 Stunden Betrieb bei ca. 3,5 kg Holzkohle und ca. 1 Kg Koks. Das wären ca. 4,50 € an Brennmaterial. Koks ist mittlerweile manchmal etwas schwierig zu bekommen, versuchts mal bei einem Brennstoffhändler. Dort müsst Ihr die Kohlen wohl selbst abholen, denn für ein paar Kilo kommt der nicht vorbei.
Da das Gebläse oder Balg die Asche und auch Glut ausblasen, sollte der Ofen möglichst nicht auf einer brennbaren Unterlage stehen oder unter einer brennbaren Bedachung betrieben werden. Selbst bei längerem Betrieb konnte nicht beobachtet werden, dass die Außenkiste so heiß würde, dass sie selbst zu brennen begänne.
Nach Beendigung der Arbeit den Ofen langsam abkühlen lassen und nicht mit Wasser ablöschen. Die Steine würden dann vorzeitig reißen und zerfallen.
Was an Zangen, Hämmer oder Ambossersatz vorhanden ist sollte ausprobiert und genutzt werden. Viel Spaß beim Schmieden.
 

Zur Verfügung gestellt von Joachim Walther.