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Abb. 6
Jetzt wenden wir uns den Schößen des Doublets zu, welche den unteren Rand formen. Die Teile werden zunächst entsprechend Abb. 6 ausgeschnitten. Die genaue Form bleibt Euch überlassen. Im 16. Jhdt. waren die Schöße aber relativ kurz (ca. 20 cm), lediglich die beiden vorderen (A in Abb. 6) waren länger. Die Zeichnungen werden auf den Wollstoff gelegt (für Teil C einfach, für die Teile A und B doppelt nehmen) und ausgeschnitten. Habt ihr dicken Mantelstoff, der nicht aufribbelt, so muß lediglich an der oberen Kante, also dort wo die Schöße angenäht werden, ein Saum gelassen werden.
Ansonsten wird der Stoff für Teil C doppelt und für A und B
vierfach genommen, die Teile mit einer Saumzugabe rundrum
ausgeschnitten, jeweils zwei Teile an der Unterseite und den Seiten
vernäht und dann verstürzt.
Anschließend werden egal ob doppelt
oder einfach die Schöße rechts auf rechts an der Unterkante des
Doublets angesteckt und angenäht.
Wer sein Doublet ärmellos ausführen möchte, muß jetzt lediglich den Ärmelsaum nach innen umnähen und kann dann gleich bei Punkt 7. Finishing Touches weiterlesen.
Ansonsten müssen wir zunächst ein Schnittmuster für die Ärmel enwerfen. Dazu zieht man den Doublet-Rohbau einmal an und mißt (oder läßt messen: ist weit einfacher) einmal von der Oberseite des Ärmelausschnitts (da wo der Schulterwulst sitzt) und einmal von der Unterseite des Ärmelausschnitts jeweils bis zum Handgelenk. Danach hängt man den Rohbau wieder auf den Bügel (bzw. die Schneiderpuppe für diejenigen, die sowas besitzen)
Nun nimmt man eine alte Zeitung und formt daraus eine Röhre, die ungefähr so dick ist, wie der Ärmel an der Schulter später sein soll und steckt sie in den Ärmelausschnitt. Dort arrangiert man sie so, daß die Röhre schräg nach unten weißt, d.h. in dem Winkel, in dem später auch der Ärmel angenäht werden soll. Der Ärmelausschnitt wird jetzt auf der Röhre aufgezeichnet (siehe Foto 1) und an der Oberseite exakt in der Flucht der Schulternaht senkrecht aufgeschnitten. Der so gewonnene Streifen wird jetzt auf der Hälfte gefaltet und durch beide Papierschichten entlang der eingezeichneten Linie auf einer der beiden Seiten entlang geschnitten (der Streifen wird gefaltet, damit der Schnitt symetrisch wird; im Idealfall sollten die Linien auf beiden Seiten deckungsgleich verlaufen, wenn das nicht so ist, ist das aber auch nicht so tragisch, da man die Ungenauigkeiten später noch ausgleichen kann, sofern man nur einen ausreichend großen Saum läßt. So, das wäre jetzt schon mal der Schnitt für den oberen Ärmelausschnitt.
Foto 1
Als nächstes mißt man mit dem Maßband den unteren Ärmelausschnitt. Dies kann man Pi mal Daumen machen (einmal um die Handgelenke messen und ein paar cm Zugabe, da man ja in der Regel noch ein Hemd unter dem Doublet trägt), man kann jedoch einfach an einem Sakko maßnehmen, sofern man ein solches in seinem Kleiderschrank findet.
Dieses Maß halbiert man und zeichnet eine entsprechend lange Linie auf ein Stück Packpapier auf. Auf einer Seite dieser Linie wird jetzt senkrecht zur ersten eine zweite Linie eingezeichnet.
Diese hat die Länge der Strecke Oberseite Ärmelausschnitt - Handgelenk plus ca 10 cm (diese Zugabe ist dafür, daß der Ärmel nicht bis zum Ellenbogen hochrutscht, wenn man mal den Arm hebt, zumal der Ärmel beim Tragen auch durch das Entstehen der Ellenbogenfalte etwas kürzer wird). Am anderen Ende der langen Strecke wird jetzt die Ärmelausschnittschablone mit der offenen Kante (d.h. der Stelle, die die Verlängerung der Schulternaht bildet) angelegt (geknickt lassen: wir konstruieren hier nur einen halben Ärmel) und der obere Ärmelverlauf angezeichnet. Jetzt werden noch die beiden unverbundenen Enden der Ober- und Unterkante miteinander verbunden (diese Linie sollte im Idealfall die Länge der Strecke Unterseite Ärmelausschnitt - Handgelenk haben, wenn das nicht genau hinkommt wird der untere Ärmelabschnitt abgerundet (siehe Abb. 7), damit es paßt. Eure Zeichnung sollte jetzt in etwa so aussehen wie Abb. 7.
Abb. 7
Jetzt wird der Ärmelschnitt ausgeschnitten. Der Wollstoff wird nun einmal gefaltet und der Schnitt aufgesteckt. Die Strecke Unterseite Ärmelausschnitt - Handgelenk wird dabei so aufgelegt, daß sie mit der Falzkante des Stoffes abschließt (auf Abb. 7 blau eingezeichnet). Die übrigen Kanten werden dann angezeichnet und mit reichlich Saum ausgeschnitten.
Entlang der Linie Oberseite Ärmelausschnitt - Handgelenk wird der Ärmel dann vernäht. Die Naht bleibt dabei in der Mitte offen (ab ca. 5 cm von oben bis ca. 10 cm vom Handabschluß; die entsprechenden Nähte sind auf Abb. 7 rot eingezeichnet). Hier befindet sich später der Schlitz. Der Schlitz kann jetzt entweder offen gelassen (dann sieht man an dieser Stelle später das Hemd), einzeln gefüttert (wie bei der geschlitzten Hose) oder aber der ganze Ärmel mit einem Futter versehen werden (dazu wird dann noch einmal ein Ärmel aus Futterstoff ausgeschnitten (diesmal aber mit der Falzkante auf der anderen Seite), durchgehend vernäht (kein Schlitz lassen) und in den Wollärmel eingenäht).
Ist der Ärmel soweit fertig, kann er in den Ärmelausschnitts des
Doublets genäht werden (Doublet auf links ziehen, Ärmel auf rechts gezogen
durch den Ärmelausschnitt in das Doublet einnstecken, feststecken und
annähen). Wenn er oben angenäht, zieht man das Doublet noch einmal an (am
besten mit einem Hemd, welches man später auch zu dem Doublet zu tragen
gedenkt) steckt die untere Ärmelöffnung gerade und auf der exakt richtigen
Länge ab und umsäumt die Öffnung dann.
Hat man dies alles mit beiden
Ärmeln gemacht, ist man soweit fertig und kann zum letzten Schritt
übergehen.
Als letztes werden die Knopflöcher genäht (lest einfach in der Gebrauchsanweisung der Nähmaschine nach, wie das geht oder laßt es Euch erklären; es ist zwar eine lästige Arbeit aber eigentlich nicht schwer) und entsprechend dazu die Knöpfe angenäht. Hier sollte man nicht zuwenige Knöpfe nehmen, da es zumindest Ende des 16. Jhdts. Mode war, das Doublet mit vielen, dafür aber kleinen Knöpfen zu schließen.
Zur Verfügung gestellt von Dirk Rabenschlag von markoschenheim.de