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oder auch Wams
Das Doublet oder Wams wurde mit oder ohne Ärmeln über dem Hemd getragen. Dieses Kleidungsstück ist ein Mittelding zwischen der heutigen Weste und und dem Jacket. Der Schnitt hat sich im 16. Jhdt. nicht groß geändert, lediglich die Weite variierte stark. Während Anfang des Jhdts. das Doublet etwa die Weite der heutigen Weste hatte, wurde es ab der Mitte des Jhdts. unter dem Einfluß der spanischen Hofmode immer tallierter und damit dreieckiger (selbst dünne Männer werden die Dinger nicht ohne die formende Hilfe eines Korsetts getragen haben können), um Ende des 16. Anfang des 17. Jhdts. wieder weiter zu werden.
Den Schnitt kann man (wie schon bei der Hose) entweder selbst entwerfen (wenn man sowas kann), in den USA bestellen (wenn man zuviel Geld übrig hat) oder hoffen ihn zur Karnevalszeit in Geschäften, die die üblichen Schnittmuster führen, zu kriegen. Man kann aber auch wieder seinen eigenen Kleiderschrank bemühen:
In den meisten Herrenkleiderschränken wird sich eine Weste finden, die einigermaßen paßt. Diese nehmen wir als Vorlage für unser Schnittmuster. Dazu wird auf Packpapier zunächst die Rückenpartie und dann eine der beiden Vorderseiten glatt ausgebreitet und mit einem Stift drumherum gezeichnet (das muß nicht hundertprozentig genau sein). Da eine Weste recht eng am Körper anliegt, man in dem Doublet aber auch ggfls. kämpfen muß, geben wir an den Seiten und an der Schulter noch 1-2 cm zu.
Abb. 1
Abb. 2
Je nachdem, welcher Art die Weste ist, muß die Unterkante jetzt noch abgeändert bzw. der ganze Schnitt nach unten verlängert werden. Die Unterkante des Doublets sollte gerade sein und sich dort befinden, wo man später den Gürtel zu tragen gedenkt. Die entsprechenden Maße nimmt man sinnigerweise bei sich selbst mittels eines Maßbandes und zwar von der Mitte der Schultern bis zur Oberkante des Gürtels. Das so gewonnene Maß wird dann auf die entsprechende Linie der Zeichnung übertragen und der Schnitt entsprechend angepaßt (siehe Abb. 1). Das Schnittmuster sollte jetzt in etwa so aussehen wie Abb. 1.
Da eine Weste im Gegensatz zum Doublet des 16. Jhdts. in der Regel einen V-Ausschnitt hat, wird noch der obere Teil der Knopfleiste zu einem runden Ausschnitt, wie auf Abb. 2 zu sehen, ergänzt (vorher den eigenen Halsumfang messen; die Länge der Linie des rückseitigen Halsausschnittes sollte zusammen mit der doppelten Länge der Linie des Vorderteils die Länge des Halsumfangs um gut 3 cm übersteigen. Dabei muß beachtet werden, daß von der doppelten Länge des Halsauschnittes des Vorderteiles einmal die Breite der Knopfleiste abgezogen werden muß, da sich hier die beiden späteren Vorderteile sich ja überschneiden.)
Jetzt wird das Ganze ausgeschnitten und das Rückenteil längs von der Mitte des Halsausschnittes abwärts halbiert und eine der Hälften als Ersatz zur Seite gelegt. Für ein geschlitztes Doublet wird die eine Hälfte jetzt noch einmal wie auf Abb. 2 zu sehen durchschnitten (hier wird später ein Schlitz hinkommen). Gleiches gilt für das Vorderteil, so daß man jetzt die Einzelteile A, B, C und D (siehe Abb. 2) hat.
Diese Teile werden jetzt auf den doppelt gelegten Wollstoff aufgelegt, festgesteckt, mit reichlich Saumzugabe (darauf achten, daß die Saumzugabe an der Knopfleiste der Vorderteile breiter ist als die Knopfleiste selbst, da dieser Saum nach dem Umschlagen und Vernähen die Knopfleiste bildet) mittels Schneiderkreide aufgezeichnet und ausgeschnitten. Jetzt sollte man insgesamt acht Teile haben.
Abb. 3
Die acht Teile werden jetzt wie auf Abb. 3 gezeigt
vernäht. Dabei bleiben alleNähte bis auf die beiden Seitennähte in
der Mitte offen (siehe Abb. 3, die Nähte sind rot eingezeichnet).
Diese offenen Stellen bilden die späteren Schlitze. Diese können
entweder gefüttert (hinsichtlich des Fütterns von Schlitzen wird auf
die entsprechende Beschreibung bei der Landsknechts-Hose
verwiesen) Bei einem ungeschlitzen Doublet wird die Mittelnaht des
Rückenteils durchgezogen, die Nähte zwischen A und B sowie zwischen
C und D gibt es gar nicht, da die beiden Vorder- und Rückenteile als
Ganzes ausgeschnitten wurden. Als letztes werden die Schultern
vernäht und die Knopfleiste nach innen umgeschlagen und gerade
herunter abgenäht.
So, nun haben wir schon einmal
etwas Westenartiges vor uns und können das Ganze das erste mal
anprobieren. Paßt alles, kümmern wir uns jetzt um den Kragen und die
Schulterwülste.
Für den Kragen wird zunächst mal die Länge des Kragenausschnittes gemessen und dann ein Kreis mit ca. einem cm mehr (man muß hier schon die Saumzugabe für den Einschnitt miteinberechnen) als diesem Umfang gezeichnet (wir erinnern uns an alte Schulzeiten: r = Umfang / 2 Pi). In diesen Kreis wird jetzt ein weiterer Ring mit einem 2 cm geringeren Durchmesser eingezeichnet, so daß sich ein 2 cm beiter Ring ergibt. Dieser Ring wird aus und an einer Stelle gerade aufgeschnitten und der Einschnitt an der Innenseite des Ringes abgerundet (siehe Abb. 4). Nun wird dieser Schnitt wieder auf den doppelt gelegten Wollstoff aufgesteckt und mit Saumzugabe auf allen Seiten ausgeschnitten. Die beiden Stoffringe werden jetzt entlang der Innenkante und des Einschnitts (dort
![]() Abb. 4 |
Abb. 5 |
nur jeweils 5 mm von der Schnittkante, denn wir haben ja nur 1 cm zum Umfang hinzugegeben) zusammengenäht. Der Kringel wird jetzt verstürzt und ganz normal (d.h. rechts auf rechts) an den Kragenausschnitt des Doublets angenäht und versäubert.
Der Schnitt für die Schulterabschlüsse wird, wie auf Abb. 4 zu sehen, aufgezeichnet und ausgeschnitten.
Bei der Form müßt Ihr ein wenig experimentieren. Insbesondere die Seite, mit der die Schulterwulst später an das Doublet angenäht wird (auf Abb. 4 rot eingezeichnet) sollte so geformt sein, daß das Schulterstück, wenn man es an die Stelle des Ärmelausschnitts hält, an der es später sitzen soll, nicht gerade absteht sondern in einer Flucht mit der Schulterlinie leicht nach unten abfällt (Abb. 5).
Ist die Form gefunden, wird diese wieder einmal auf den Wollstoff (diesmal vierfach gelegt), abgesteckt und mit Saumzugabe ausgeschnitten.
Jeweils zwei Teile werden dann an der Seite zusammengenäht, die später nicht an das Doublet angenäht wird. Die auf Abb. 4 rot eingezeichnete Seite bleibt offen. Von dieser Seite wird, nachdem die Naht versäubert und die Schulterteile verstürzt wurden, die Schulterwulst mit Watte oder Vlies ausgestopft, bis sich ein schönes, nicht zu dickes Päckchen ergibt. Ist das getan, wird auch die auf Abb. 4 rot eingezeichnete Seite mit einer einfachen Steppnaht zugenäht, so daß sich hinter der Naht noch genug Saum befindet, um den Schulterabschluß an das Doublet anzunähen.
Vorher wird die Schulterwulst jedoch noch, wie auf Abb. 4 zu sehen (gestrichelte Linie), mit Steppnähten versehen. Danach die beiden Teile wie auch schon den Kragen rechts auf rechts anstecken und annähen.
Zur Verfügung gestellt von Dirk Rabenschlag von markoschenheim.de