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Wer im späten Mittelalter "lebt" und möglichst authentische Kleidung bevorzugt, wird das eine oder andere Gewandungsstück mit Schnüren und Kordeln schließen. Diese Kordeln, auch Nesteln genannt, haben oft am Ende eine Metallhülse, die das Auffasern verhindern und das Einfädeln erleichtert soll. Dazu kommt ein dekorativer Aspekt, da die Hülsen, aus poliertem Messing, Bronze oder Silber wie ein Schmuckstück wirken können.
Leider sind diese Hülsen, auch Nestelhülsen oder vom Lateinischen abgeleitet Tutuli genannt, nicht gerade leicht zu bekommen. Das liegt hauptsächlich daran, dass für einen Produzenten der Herstellungsaufwand höher ist als der dafür zu erwartende Ertrag. Für eine Nestelhülse braucht selbst ein Profi mehr als eine viertel Stunde Zeit und wenn er nur maximal 3 bis 4 Mark dafür erzielen kann, lässt er das lieber. Die Folge ist, dass irgendwelche "Notkonstruktionen" etliche Gewandungen mehr verunzieren als verbessern. Um dem abzuhelfen ist der einfachste Weg die Teile selber zu machen. Es ist gar nicht so schwierig wie es erscheint und fast an jedem Küchentisch machbar. Vorrausetzung ist, dass man weiß wie es geht. Dazu habe ich diesen Werkstattbrief verfasst und denke, dass jeder damit klarkommen kann.
Zuerst brauchen wir einige Werkzeuge, die sich allerdings schon in den meisten Haushalten finden lassen und nicht zusätzlich beschafft werden müssen.
Wir brauchen:
Zum Vorbereiten unserer Hilfsvorrichtungen benötigen wir zusätzlich:

Als erstes bereiten wir unser Eisenplättchen vor. Ungefähr einen Zentimeter vom Rand bohren wir ein Loch in Stärke der gewünschten Kordel (Maß D). In diesem Beispiel 3 mm. Dann senken wir die Bohrung ungefähr auf das Doppelte an, das eine Art kleiner Trichter entsteht. Ist kein Senker vorhanden, kann dies mit einem größeren Bohrer geschehen. Da allerdings normale Bohrer einen flachen Spitzenwinkel haben muss dieser erst spitzer geschliffen werden. Solche Bohrer "rattern" gerne und die gewünschte Senkung wird unrunde und grob. Das kann verhindert werden, wenn die Senkung zuerst und dann erst die kleine Bohrung gemacht wird. Vom Rand aus wird dann ein Schlitz in Breite der Bohrung zu dieser eingesägt. Das alle dabei entstehende scharfen Kanten mit der Feile entgratet werden ist wohl selbstverständlich. Ist das Plättchen groß genug kann man mehrere Bohrungen mit verschiedenen Durchmesser für verschiedene Kordelstärken bohren.

Als nächstes bereiten wir das Holzklötzchen vor. Dazu bohren wir eine Reihe von Löchern an einer Seite durch. Wer Hülsen in verschiedenen Durchmesser machen will, kann auch verschiedene Bohrer verwenden. Dann wird auf Mitte der Bohrungen der Klotz durchgesägt, dass halbe Bohrungen entstehen (Variante a). Sie dienen später zum Vorbiegen der Hülsen. Wer nicht Sägen möchte, kann auch zwei Klötzchen mit einer Schraubzwinge zusammenspannen und dann exakt auf der Stoßstelle bohren. Er erhält damit zwei gleiche Klötzchen, was von Vorteil sein kann, da die Klötzchen nicht ewig halten (Variante b). An der anderen Seite des Klötzchen bohren wir ebenfalls ein Loch, dieses aber wie im Eisenplättchen ca. 1 cm vom Rand und schlitzen es wie im selbigen. Gesenkt wird es nicht. Dieses Loch dient uns später als Durchlass für die Kordel.

Was wir jetzt noch brauchen ist ein Dorn. Diesen feilen wir aus dem Nagel. Es bedarf etwas Geduld bis der Nagel schön gleichmäßig zu einer Kegelspitze gefeilt und geschmirgelt ist. Wer Zugang zu einer Drehmaschine hat ist fein raus. Wer es sich zutraut der zwickt den Kopf ab und spannt den Nagel in die Handbohrmaschine. Dann feilt er den rotierenden Nagel vorsichtig ab. Vorsicht, das Ding wird mitunter dabei glühend heiß. Eine Faustregel bestimmt dass pro mm Durchmesser die Spitze ca. 10 mm lang ist. In unserem Beispiel, bei einem Nagel von 4 mm Durchmesser sollte die Spitze ca. 40 mm lang werden. Der entstehende Dorn eignet sich für Hülsen bis 4 mm Innendurchmesser. Wer dickere Kordeln nesteln will braucht entsprechend größere Dorndurchmesser bzw. Nägel.
Das benötigte Blech für die Hülsen bekommt man an verschiedenen Stellen. Schwierig ist die Beschaffung im normalen Handel. Hier bekommt man oft in Modellbauläden entsprechende Messingbleche mit einer Stärke von ca. 0,3 bis 0,5 mm. Handelsübliche Kupferbleche aus Spenglereien mit 0,7 mm Stärke sind die absolute Obergrenze und sollten nur in Ausnahmefällen verwendet werden. Eine gute Quelle sind Schrottplätze. Hier bekommt man oft das Gewünschte zu kleinem Preis. Die besten Quellen sind Firmen die Blechblasinstrumente herstellen. Die hier verwendeten Bleche sind nicht nur aufgrund ihrer Zusammensetzung bestens zum Treiben und Biegen geeignet, sondern auch in vielen Farbvarianten zu haben. Eine Suche im Branchenverzeichnis und ein paar Kilometer Fahrt, natürlich nach telefonischer Voranmeldung ist meist lohnend.
Damit wäre unsere Werkstätte komplett und das eigentliche Herstellen der Hülsen kann beginnen.
Zur Verfügung gestellt von Joachim Walther