Das Landsknechtbarett

Das Landsknechtsbarret ist der Individualist unter den Kopfbedeckungen, da kaum eins dem andern gleicht. Zahlreiche Variationsmöglichkeiten findet man auf alten Bildern und Stichen. Dabei ist das Landsknechtbarett keineswegs eine Kopfbedeckung nur für Kriegsleute. Auch der bürgerliche Mann trug ein solches Barett (wenn auch in einer dezenteren Ausgestaltung).

Kennzeichen dieser Kappen ist der "Zerhauene"-Stil bei der Krempe. Die Landsknechte gefielen sich bei Ihrer Kleidung darin, diese in Streifen zu schneiden. Daraus entwickelte sich eine ganze Mode, die auch den Adel und die Bürgerlichen Stände erfaßte, das "zerhauene Zeug". Diese Art der Ausschmückung der Kleidung findet sich auch bei den Kopfbedeckungen wieder.

Aber nun zum Nähen:

Als Stoff empfehle ich einen dicken Wollstoff, insbesondere wenn man die Kappe selbst noch mit Einschnitten verzieren will (die muß man dann nämlich nicht mehr Säumen). Die Farbe ist eigentlich egal (naja, Pastellfarben sollten es nicht gerade sein).

Das Schnittmuster für die zentrale Kappe ist bei allen Variationen gleich (zum Ausdrucken einfach die Verknüpfung mit der Grafik speichern). Die Größe variiert je nach Kopfgröße und danach, ob das Barett über einer Hirnhaube (bei Landsknechten durchaus üblich) getragen werden soll. Die Kappe sollte im Zweifel lieber etwas größer dimensioniert werden. Im Notfall kann die Kappe mit einem Band noch verengt werden.

Bei mir (ziemlicher Bumskopp / über Hirnhaube) betragen die Abmessungen 21,1 (Länge) mal 19,9 (Breite). Vergeßt bitte nicht an allen Seiten (außer unten) noch einen Saum von ca. 1 cm zuzugeben.

Dieses Teil brauchen wir vier mal. Also den Stoff vierlagig geschichtet, Schnitt aufgesteckt angezeichnet und ausgeschnitten. Die Hilfslinien A-D müssen dabei noch nicht aufgezeichnet werden.

Die vier Teile werden jetzt an den Seiten a und b zusammengenäht (jeweils a auf a und b auf b). Jetzt sollte das Ganze schon sehr kappenmäßig aussehen. Danach die Nähte versäubern und die Kappe verstürzen.

Danach werden mit einem Zirkel die Linien A, B und C aufgezeichnet. Die Zirkelspitze steckt dabei in der Kappenspitze. An der Linie B wird später die Oberkante der Kappe verlaufen. (Mit einem guten Auge kann man auch auf die Linien A und C verzichten. Ich empfehle aber trotzdem sie einzuzeichnen.)

    

Die Kappe wird jetzt entlang der Linie B gefaltet, abgesteckt und entlang der Linie A (bzw. C, wenn man die Kappe von unten sieht) abgesteppt (siehe Foto). Die Naht sollte dabei in einem um die ganze Kappe genäht werden. Das Barett hat jetzt an der Oberkante eine Wulst (siehe Foto).

Jetzt muß der untere Saum der Kappe festgelegt werden. Der Verlauf dieses Saums richtet sich nach dem Kopf des Trägers. Zwische 4 und 5 cm unter der Naht der Oberkante dürften ausreichen. Der Saum verläuft parallel zur Wulst der Oberkante. Nachdem die Kappe gesäumt und der Saum versäubert ist, wenden wir uns der Krempe zu:

Bei den Krempen ist jede Variation erlaubt. Einfach mal auf alten Bildern und Stichen von Landsknechten nachsehen. Die abgebildeten Typen sind nur beispielhaft aufgeführt.
Obwohl hier (aus Gründen der Einfachheit und Stofferspaarnis) eine abweichende Herstellungsweise beschrieben wird ist doch Typ 1 eigentlich die Grundform des Landsknechtshutes. Dazu werden einfach zwei entsprechend geformte halbe Ringe aus Stoff ausgeschnitten und angenäht.

Wer will, kann auch die halben Ringe jeweils doppelt nehmen, umsäumen und mit zugeschnittenen Pappteilen, die in die so entstandenen Taschen gesteckt werden, die Krempe versteifen.

Die Typen 2-4 sind Abwandlungen von 1 insofern, als eigentlich nur die Krempe eingeschnitten und locker nach innen umgeklappt wird. Da man für die kleinen Krempenstücke ganz hervorragend Stoffreste, die als Verschnitt übrig bleiben, verwenden kann, schneide ich die Segmente bei Typ 2 und 4 einzeln aus und nähe sie an.

 

Typ 3 kann man sogar noch einfacher machen. Dazu näht man zunächst einen Schlauch von ca. 10 - 13 cm Breite und einer Länge, die dem Umfang des unteren Saumes der Kappe entspricht. Dieser Schlauch wird jetzt Naht auf Naht unten an den Saum der Kappe angenäht (siehe Foto).

    

Der Schlauch wird jetzt 7 mal bis Fast zum unteren Saum der Kappe eingeschnitten, so daß 8 Streifen entstehen (siehe Foto). Die Streifen werden jetzt locker eingerollt oder -gefaltet und von Hand mit ein paar Stichen von Hand am oberen Rand der Kappe festgeheftet. Wichtig dabei ist, daß das Ganze locker gefaltet wird, so daß der Schlauch sich etwas öffnet und der Stoff nicht glatt zweilagig aufeinander pappt.

Fertig

Rechts nochmal die Kappe als Typ 2 (von vorn und hinten)

Zur Verfügung gestellt von Dirk Rabenschlag von markoschenheim.de