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Die Tracht in
Deutschland im späten 15. Jahrhundert
Die Kleidung der Menschen in Deutschland,
insbesondere in Nürnberg, in der zweiten
Hälfte des 15. Jahrhunderts.
Von Harald Maußner (Stand: Februar 2002 )
O. Vorwort
Die
mittelalterliche Geschichte des Menschen im 15. Jahrhunderts darzustellen, ist
eine schwierige Aufgabe. Ich möchte mit diesem kleinen Aufsatz nicht die
herkömmlichen strengen Methoden verwenden, um das Leben im Mittelalter
darzustellen sondern ich möchte im Folgenden den Menschen
an sich in den Vordergrund rücken und dem Leser des Aufsatzes veranschaulichen,
wie die einzelnen Gerätschaften in einem Bild mit dem Menschen der damaligen
Zeit ausgesehen haben. Des weiteren möchte ich dem Leser Gegenstände vor Augen
führen, die man nicht, oder in nur sehr wenigen Museen, zu Gesicht bekommt -
nämlich die Kleidung und Trageweise der Tracht im 15. Jahrhundert.
Dieser Aufsatz ist auch nicht der Weisheit letzter Schluss! Er soll vielmehr den Leser dazu anregen, selbst auf die Suche zu gehen, Originalkunstwerke einzelner Künstler aus dem 15. Jahrhundert zu vergleichen und sich selbst ein Urteil zu bilden. Für Anregungen bin ich daher äußerst dankbar, sofern ihre Grundlage nachweisbar ist.
I. Kleidung ( Tracht ) um
1474
Die
Kleidungsweise des 15. Jahrhunderts wurde in Deutschland von anderen Ländern
beeinflusst. Hier spielte der burgundische Hof mit seiner pompösen und
aufwendigen Kleidungsweise eine weisende Rolle.[1] Allerdings gilt dies nur
bis zur ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Ab der zweiten Hälfte des 15.
Jahrhunderts beginnt sich Deutschland von dem Vorbild der burgundischen Mode
abzuwenden und sich als Vorbild den Kleidungsstil Italiens zu nähern.
Vergleicht man Bilder italienischer Künstler der 1460er Jahre mit denen
deutscher Künstler der Rheingebiete oder aus Süddeutschland, dann wird
deutlich, dass in Deutschland zwischen
1470 und 1480 die Mode Italiens aus den 1460er Jahren bevorzugt wird, während
man in Italien zwischen 1470 und 1480 schon beginnt Schlitzkleidung zu tragen,
die in Deutschland erst ab den 1490er Jahren populär wurde und im 16.
Jahrhundert überall verbreitet war.
1. Die Tracht der Männer
a. Unterwäsche
aa. Hemd
Die Form der Hemden war
schlicht, ohne Kragen. Hemden waren Schlupfkleider, d.h., sie wurden vorne
nicht geknöpft. Der Halsausschnitt war manchmal gerade so groß, dass der Kopf
hindurchpasste, manchmal war der Halsauschnitt so groß, dass er von der einen
Schulter bis zur andern reichte. Auf den meisten Abbildungen sieht man die
Hemden ohne Faltelungen. Es wäre jedoch falsch zu sagen, Hemden wurden nur ohne
Faltelungen getragen, denn gerade in der Kleiderordnung
Nürnbergs werden Faltenlegungen verboten, um der Verschwendungssucht der Bürger
Einhalt zu gebieten. Daraus lässt sich aber wiederum schließen, dass Hemden
vorne in Falten gelegt wurden, sonst würde ein Verbot keinen Sinn machen. Man
kann daher nur sagen, ein Hemd ohne Fältelung, wie es fast alle Künstler der
1470 - 1480erJahre auf ihren Bildern darstellen, entsprach dem Idealbild eines Hemdes,
war aber durchaus nicht Gang und Gebe.
bb. Unterhose
Unterhosen waren aus Leinen gefertigt und kamen fast nur in zwei Formen vor. Die eine hatte eine eher dreieckige Form und wurde an beiden Seiten mit Schnüren zugeschnürt. Diese Form erinnert etwas an eine Tangahose aus heutigen Tagen. Die zweite Form war eine breitere Form. Die Form erinnert an die Unterhosen, wie sie auch in den späten 70er und frühen 80er des 20. Jahrhunderts getragen wurde
Auffallend ist, dass manche Künstler Männer mit grünen oder auch schwarzen Unterhosen darstellen. Anscheinend achtete man auch im Spätmittelalter bei der Unterwäsche auf Farben und wollte nicht nur eine naturfarbene Leinenunterhose tragen, wobei man bei solchen Farbgebungen natürlich nicht die Symbolik des Malers außer Acht lassen darf, denn vielleicht wollte er mit dieser Farbgebung auch nur gewisse Dinge auf seinem Bild aussagen und darstellen.
b. Kopfbedeckung, Haartracht.
aa. Gugel
Die Formenvielfalt der Gugel
ist groß, jedoch haben fast alle gemeinsam, dass sie oft mit einem Futterstoff
unternäht waren. Bei Kriegsknechten im Mittelalterlichen Hausbuch[2] sieht
man häufig Gugeln ohne Zopf und mit auf der Brust und dem Rücken mehrfach
geschlitzten schulterfreiem Kragen. Diese Variante wurde deswegen bei den
Kriegsknechten bevorzugt, da der lange Zopf im Gefecht hinderlich sein konnte
und es des weiteren angenehmer war, den Helm über einer Gugel ohne Zopf zu
Tragen. Man kann dort aber auch Gugeln erkennen, die einen sehr weiten Kragen
hatten, der bis zu den Ellbogen reicht. Diese Form war sehr nützlich bei kaltem
oder nassem Wetter.
In Nürnberg wurden aber auch
Gugeln mit sehr langem Zopf verwendet, die bei sehr kalter Witterung
turbanähnlich um den Kopf[3] geschlungen wurde. Die
Gugel mit langem Zopf konnte des weiteren auch als sogenannte Sendelbinde
verwendet werden.[4]
aa. Hüte und Mützen
Die Formen der Hüte und
Mützen sind sehr vielfältig gewesen. Man kann hier auch unmöglich sagen, dass
diese oder jene Form die häufigste war. Gemeinsam haben sie jedoch, dass sie
bei Trägern in der Oberschicht mit einem Futterstoff wohl meist aus Leinen
unterfüttert waren, während die unteren Schichten der Bevölkerung oft
ungefütterte Hüte trugen. Das Hut- oder Mützenmaterial selbst war nach meinen
Versuchen ein festes Schurwolltuch,
das sehr heiß gekocht und öfter gewalkt wurde, so dass ein fester Filz
entstand. Mit diesem festen Stoff war es möglich, die Hüte oder Mützen in eine
beliebige Form zu drücken. Hutkrempen oder Ohrenlaffen der Mützen konnte man
dann nach Wunsch hochklappen oder nach unten biegen. Nicht selten sieht man auf
Abbildungen aber auch Mützen aus einfachem weichem Schurwolltuch, d.h., der
Mützenstoff wurde nicht immer gefilzt.
cc. Haartracht
Die Haartracht kannte ebenso zahlreich Varianten. So wie es im Wolfenegger Hausbuch dargestellt wird, trug der junge modische Mann in den 1480ern einen Haarschnitt der vorne kurze und hinten nacken- bis schulterlange Haare hatte. Solche jungen Burschen werden dann manchmal auch ohne Kopfbedeckung dargestellt.
Handwerker, Bauern, etc.
trugen dann mehr einen kurzen Haarschnitt, da lange Haare für den Beruf eher
hinderlich waren. Bei Kriegsknechten sieht man häufig auf Gemälden einen fast
kahlgeschorenen Kopf, dies war auch unter den Umständen, die das Leben im Feld
mit sich brachte, aus Hygienegründen vorteilhaft.
[1] Lehner S.74
[2] Christoph
[3] Lehner S. 89
[4] Lehner S. 89