100-DM-Kappe

Eine weitere Form des Baretts, die, wenn man den zeitgenössischen Abbildungen glauben will, vor allem in gebildeten Kreisen beliebt war, konnte man vor einigen Jahren (vor der Einführung des bunten Spielgeldes und lange bevor Euro ante portas stand) in jeder wohlsortierten Geldbörse auf dem Kopf des Astronomen Sebastian Münster (nach einem Stich von Amberger) finden.

Für den Hut benötigt man die folgenden Materialien:

  1. ein klassisches Bundeswehr-Barett (hat man entweder noch zuhause oder man besorgt es sich im Army-Shop für 20-30 DM) NICHT DAS KLEINERE KOMANNDO-BARETT in schwarz (theoretisch wären auch andere Farben möglich aber es ist annähernd unmöglich, den dazu passenden Wollstoff zu finden.
  2. 40 cm (bei üblicher 1,5 m Stoffbreite) eines dicken Wollstoffes, der in Farbe und Webart ziemlich genau dem Stoff des Baretts entspricht.
  3. ggfls. Hutschnur und einen Lederstreifen 2 X 60 cm
  4. Garn in der Farbe des Stoffes

Grafik 1: Schnittmuster Krempe (Hutgröße 61)

Zunächst nimmt man sich das Barett vor und löst erst einmal die lederne Abschlußborte und das Innenfutter mit dem Pappeinsatz heraus, so daß nur noch der reine Wollfilz vor einem liegt.

Dann mißt man seinen Kopfumfang (die Hutgröße) und zeichnet dementsprechend die Krempe. Der Innenradius errechnet sich nach der Formel:
Radius = Kopfumfang : (2 Pi)

Die Krempe sollte eine Breite von 6,5 cm haben, so daß sich ein Ring ergibt, wie auf Grafik 1 zu sehen (die Größe kann entsprechend dem Kopfanfang variieren).

Diese Zeichnung schneidet man aus und steckt sie auf den doppelt gelegten Wollstoff auf. Danach das ganze mit ca 1 cm Saumzugabe außen und innen (die Saumzugabe immer auf jedem Teil mit Schneiderkreide anzeichnen) ausschneiden und die beiden Ringe an der Außenlinie zusammennähen. Nun wird der Ring verstürzt und mit dem Bügeleisen geglättet.

Die Krempe wird jetzt zunächst mal entsprechend Grafik 3 an das Barett angesteckt und aufgesetzt. Dann begibt man sich zu einem Spiegel setzt die halbfertige Kappe auf (Vorsicht wegen der Nadeln) und markiert die Endpunkte für das Nackenteil. Diese sollten so liegen, daß der Nackenschirm, wenn er leicht nach hinten abfällt, immer noch die Ohren bedeckt. Anhand der markierten Punkte ergibt sich die Breite des Nackenschirms (bei meiner Kappe waren das 37 cm - siehe Grafik 2).
Die Länge des Nackenschirms sollte so gewählt werden, daß die untere Kante in einer Rundung (siehe Grafik 2) in etwa dem Nackenhaaransatz folgt (siehe Hundertmarkschein oben).

Grafik 2: Schnittmuster Nackenschirm

Hat man all diese Werte beisammen wird der Nackenschirm auf Papier aufgezeichnet, ausgeschnitten und die Zeichnung auf den Stoff aufgesteckt. Mit einer Saumzugabe von ca. 1 cm an der oberen Kante wird das Teil nun ausgeschnitten.

Jetzt wird die gesamte Kappe entgültig zusammengenäht. Dazu werden alle drei Teile wie auf Grafik 3 und Photo 1 zu sehen zusammengesteckt und entlang der Saumlinie (in Grafik 3 rot eingezeichnet) vernäht.

Photo 1: Innennaht

Wer möchte, kann jetzt noch eine Hutschnur zur Regulierung der Kopfweite einziehen. Dazu wird einfach ein Lederstreifen von ca. 2 cm Breite, welcher etwas kürzer als der Hutumfang ist, der Länge nach gefaltet, über den Saum geschoben und so weit oben wie möglich vernäht. Dieses Band sollte im hinteren Teil der Kappe beginnen und enden, damit später die Schleife des Hutbandes durch den Nackenschirm verborgen wird. Durch dieses U-Profil wird dann das Hutband gezogen.

Grafik 3: Innennaht (Schnittdarstellung mit Nackenschirm)

Mittels dieses Bandes kann jetzt die Weite der Kappe reguliert werden, indem es einfach passend zusammengezogen und mit einer Schleife fixiert wird (wie beim normalen BW-Barett auch).

So, die Kappe ist nun fertig. Besonders gut sieht die Kappe im übrigen aus, wenn sie über einer Bundhaube getragen wird (hatte der gute Münster zwar nicht auf, aber der mußte dem Amberger ja auch für das Design eines Geldscheines Modell sitzen.

Der fertige Hut

Zur Verfügung gestellt von Dirk Rabenschlag von markoschenheim.de